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Der Lettner
 
Durch den Lettner wurde der Chorraum der Mönche mit der Krypta vom Kirchenschiff getrennt. Unter dem Kreuz, am Altar, inmitten der Bilder, wird auch heute noch die Heilige Messe gefeiert. Die Eucharistie, die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi, ist der geistige Bezugspunkt all der Bilder und Figuren: Glaube und Opfer.
ABRAHAM, links unten, der Stammvater aller, die an Gott glauben. Als jugendlicher Krieger geht er glaubend den Weg der Verheißung Gottes, mit klarem, auf das Ziel gerichteten Blick. Unter ihm der Löwe, das Symbol des Guten und Tapferen.
MELCHISEDEK, rechts unten, ein heidnischer Priester. Deshalb steht er auf dem Zeichen des Heidentums und der Gottlosigkeit, dem Drachen. Im verheißenen Land Kanaan kommt er Abraham entgegen und opfert Brot und Wein – Vordeutung des Hl. Abendmahles.
DER JUGENDLICHE PROPHET DANIEL, oben links, der am Hof des heidnischen Königs Nebukadnezar seinem Glauben an Gott treu blieb (Daniel in der Löwengrube, die drei Jünglinge im Feuerofen).
DER KÖNIG DAVID, links Mitte, machte das Volk Gottes sesshaft und gab ihm als Hauptstadt Jerusalem. Ihm verdanken wir die Psalmen, Lieder, die heute noch im Gottesdienst gebetet und gesungen werden. Da an seinen Händen ungerechtes Blut klebte, durfte er nicht den Tempel Gottes bauen. Das war seinem Sohn
SALOMON, Mitte rechts, vorbehalten. Dieser erbat sich nicht Reichtum, sondern Klugheit von Gott, um sein Volk weise zu regieren. Die salomonische Weisheit ist sprichwörtlich geworden.
Wer der PROPHET ganz rechts ist, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Es könnte Jesaja sein, aber auch Ezechiel. Dieser schaute in Visionen das Strafgericht Gottes über das sündige Volk, er sah aber auch den Thron Gottes, umgeben von vier symbolhaften Wesen.


Deesis - LettnerkanzelDIE LETTNERKANZEL über dem Altar. Sie ist mit drei Bildern geschmückt. In der Mitte befindet sich die Deesis, die große Fürbitte. Der zum Throne Gottes erhobene Christus wird von den vier Wesen umgeben, die Ezechiel geschaut hat. Es sind die Symbole der vier Evangelisten. Zu Christus tritt Maria (links). In ihr verstehen wir auch die Ecclesia, die Mutter Kirche. Sie trägt fürbittend die Gebete des neutestamentlichen Gottesvolkes zu Christus. Auf der rechten Seite bringt Johannes der Täufer, schreitend über eine Gestalt – das alte Testament – die Gebete des alttestamentlichen Gottesvolkes.
Das Bild auf der rechten Kanzelseite zeigt, wie Gott den Glauben Abrahams prüft. Er, dem zahlreiche Nachkommen verheißen sind, soll seinen einzigen Sohn opfern. Gott aber will kein Menschenopfer. Im letzten Augenblick greift der Engel Gottes ein. Der Sohn Isaak wird geschont. An seiner Stelle opfert Abraham einen Widder. Am linken Kanzelbild wird die Erhöhung der ehernen Schlange in der Wüste dargestellt. Auf Geheiß Gottes errichtet Mose bei der Schlangenplage einen Signalmast mit einer Schlange aus Erz. Wer hoffend zu ihr aufschaut, wird von den tödlichen Bissen der Schlangen verschont. Hiermit ist die Erlösung durch das Kreuzesopfer Christi angedeutet.
Auffallend ist bei den Bildern des Lettners der Wechsel von „jung“ und „alt“. Das wird besonders deutlich bei den Bildern über dem mittleren Rundbogen. Die Brüder KAIN und ABEL bringen das erste biblische Opfer dar. Dabei wird Kain auf seinen Bruder Abel neidisch und erschlägt ihn. Die Sünde des Brudermordes zeichnet ihn zum alten, sterblichen Manne; der gerechte Abel bleibt jung. So wird deutbar gemacht: Wer den Weg Gottes geht, glaubend, hoffend, opfernd, trägt den Keim des ewigen Lebens in sich. Den Bruch mit Gott durch die Sünde hat den Tod zur Folge.

DIE KREUZIGUNGSGRUPPE
Über dem Lettner erhebt sich, gleichsam auf der Höhe des Berges, die Triumphkreuzgruppe. Sie ist wohl von den gleichen Meistern geschaffen, die die Freiberger Kreuzigungsgruppe gestalteten. Ursprünglich waren die Kreuzesbalken mit ihren Beifiguren aus einem Eichenstamm geschnitzt. Nicht das Leiden Christi soll dargestellt werden, sondern Christus, der im Willen des Vaters den Tod überwunden hat (Triumphkreuz). Im Aufblicken auf sein Kreuz, an dem er den Tod überwunden hat, empfängt die erlöste Menschheit, durch AdamAdam am Fuß des Kreuzes dargestellt, ewiges Leben. Adam, der erste Mensch, streckte einstmals seine Hand nach der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse aus und verdiente dadurch der Menschheit den Tod. Nun streckt er die Hand nach dem Kreuzesbaum des Lebens aus und empfängt als erster Mensch die Erlösung durch Jesus Christus, das ewige Leben. Über dem Kreuz ist nochmals Christus in seiner Verherrlichung in der Auferstehung und Himmelfahrt dargestellt.
Links unter dem Kreuz steht MARIA, bzw. die MUTTER KIRCHE. Aus der Herzwunde Christi empfängt sie die Gnadenströme der Sakramente. Ein König bietet ihr seinen Rücken als Schemel dar. Es ist die christliche, weltliche Macht, die der Kirche dient für das Kommen des Reiches Gottes. JOHANNES, der Evangelist, steht auf einem sich aufbäumenden König, die heidnische Macht, deren Gewalt durch das Kreuzesopfer Christi gebrochen ist.
Der Lettner mit der Kreuzigungsgruppe gehört zu den Kostbarkeiten romanischer Kunst auf der ganzen Welt.
 

 

 

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